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Katharina Herzog: Leiterin der Selbsthilfegruppe-Netzhautablösung

Die Angst

Sie ist immer da und hält Dich eisern in ihrem Griff. Mal weniger, mal mehr. Manchmal geht sie monatelang, doch irgendwann meldet Sie sich wieder: Die Angst vor dem Erblinden.



Über mich

Manchmal, wenn ich nicht hoffen kann, frage ich mich, wie lange mein Sehvermögen noch so bleiben wird, wie es ist.

Ich frage mich, ob mir das Leben nur eine kurze Pause vergönnt oder ob ich nun das Glück habe, von weiteren Netzhautablösungen verschont zu bleiben.

Die Erfahrungen der letzten Jahre waren schmerzhaft und grausam. Sobald ich dachte, die Situation ist stabil, gab es erneute Ablösungen, Operationen, Komplikationen, Schmerzen, Hoffnung, Trauer und Verzweiflung.

Hoffnung auf:

…meine Augen, dass Sie durchhalten mögen,

…auf die Medizin, dass sie schnelle Fortschritte macht

…Oder einfach darauf, dass ich Glück habe und es so bleibt wie es jetzt ist.

Trauer und Verzweiflung über die verlorene Sehkraft, über Hobbys die nicht mehr möglich waren, über angebliche Freunde, welche mit der Situation nicht umgehen konnten, einfach darüber, dass ich das Leben, vor dieser Erkrankung, nicht wieder bekommen würde.

Aber Eines ist gewiss, egal was die Zukunft bringt: „Ich werde nie aufgeben, egal was passiert, ich werde um jedes einzelne Prozent Sehleistung kämpfen!“

1996 bekam ich im Alter von 20 Jahren aus heiterem Himmel die Diagnose Netzhautablösung (Ablatio retinae) in Kombination mit Netzhautabspaltung
(Retino schisis). Beide Augen sind betroffen, eine wirkliche Ursache, bis auf meine damals eher mittelmäßige Kurzsichtigkeit, kann mir bis heute niemand sagen.

Ich stand kurz vor Beginn meines Studiums, zur Landschaftsarchitektin, als ich die erste NHA hatte.

Dies war der Anfang eines langen und beschwerlichen Weges.

In den letzten Jahren, habe ich alle erdenklichen OP- Techniken hinter mich gebracht, von Plombe über Cerclage sowie Vitrektomie mit Gas und Öl, in verschiedenen Kliniken Deutschlands.

Dazu kamen Jahre später die Spätfolgen der Operationen wie Katarakt und Glaukom, welche wiederrum weitere Operationen notwendig machten.

Mein Studium habe ich erfolgreich abgeschlossen, allerdings habe ich mein
Vorhaben, eine große, tolle und gar nicht bescheidene Landschaftsarchitektin zu werden, begraben - meine Sehkraft ist mir zu wichtig.

Auf dem linken Auge habe ich nach 9 Operationen den Großteil meiner Sehkraft verloren. Das rechte Auge hält sich nach 2 Operationen noch sehr wacker. Die
psychischen Auswirkungen waren über die Jahre verheerend. Ich litt unter Angstzuständen, Panikattacken. 2010 kann es dann schließlich zum Burn out.

Die Angst vor einer erneuten Ablösung ist geblieben und schleicht sich nachts immer noch in meine Träume.

Da es Menschen mit ähnlichen Schicksalen gibt, habe ich beschlossen, diese Selbsthilfegruppe zu Gründen und hoffe, anderen Betroffenen Mut machen zu können und Hoffnung zu geben.

Diese Krankheit ist gemein, sie zermürbt und quält. Aber niemand hat daran Schuld. Es ist einfach unser Schicksal. Es ist an uns, dies so als Teil unseres Lebens anzunehmen, mit dieser Erkrankung zu leben, und nicht gegen sie.

Hilflosigkeit, Wut und Trauer gehören zum Verarbeitungsprozess dazu, aber wenn ihr es geschafft habt durch das Tal der Tränen und Verzweiflung, wird das Leben wieder bunt.

Es gibt so viele Wege im Leben, man muss nur den Willen und den Mut haben, sie auch zu gehen, anstatt stehen zu bleiben.

Das Leben ist zu kurz und zu wertvoll, um es sich durch seine Ängste zerstören zu lassen!

Es ist nicht mehr das Leben vor NHA, aber es ist immer noch euer Leben, also macht das Beste daraus!